Autor: Svenja Meismann, Director World Association of Detectives
Fingerabdrücke sichtbar zu machen ist schwieriger, als viele Menschen vermuten. Experten nutzen je nach Untergrund spezielle Pulver, chemische Verfahren wie Ninhydrin oder moderne UV-Technik, um selbst unsichtbare Fingerspuren sichtbar zu machen und zu sichern. Dabei unterscheiden sie streng nach Materialien wie Glas, Papier oder Kunststoff, um die wertvollen Beweise nicht zu zerstören.
Profis unterscheiden drei Hauptmethoden, um Fingerabdrücke sichtbar zu machen. Die Wahl der richtigen Technik hängt vom Material und der Beschaffenheit der Spur ab:
Welches Verfahren zum Einsatz kommt, entscheidet der Fingerabdruck-Sachverständige nach einer gründlichen Begutachtung des Spurenträgers.
Latente Fingerabdrücke sind für das bloße Auge unsichtbar. Sie bestehen aus den natürlichen Schweiß- und Fettrückständen der Haut und machen den Großteil der forensischen Arbeit aus. Diese Spuren müssen durch spezielle Behandlungen sichtbar gemacht werden.
Sichtbare Fingerabdrücke entstehen, wenn die Finger mit einer Substanz wie Blut, Farbe oder Ruß in Kontakt kommen. Diese Abdrücke sind bereits ohne Hilfsmittel erkennbar und können fotografisch dokumentiert werden.
Plastische Fingerabdrücke sind dreidimensionale Abdrücke in weichen Materialien wie Wachs, Knete oder frischer Farbe. Sie können durch Abformung oder spezielle Beleuchtung gesichert werden.
Der unsichtbare (latente) Fingerabdruck besteht hauptsächlich aus Schweiß und Fetten. Diese Rückstände enthalten unter anderem Aminosäuren und Salze.
Auf glatten, nicht-saugenden Oberflächen bleibt diese Mischung als hauchdünner Film zurück. Auf saugenden Materialien wie Papier hingegen ziehen die Bestandteile in die Oberfläche ein.
Die jeweilige chemische Zusammensetzung und die Beschaffenheit der Oberfläche bestimmen, welches Verfahren erfolgreich ist.
Glas ist eine glatte, nicht-saugende Oberfläche. Hier kommen vor allem Pulververfahren zum Einsatz, insbesondere das Magnetpulver, da es besonders schonend aufgetragen werden kann.
Die glatte Oberfläche ermöglicht eine gute Haftung des Pulvers an den Fetten und Schweißrückständen der Spur. Mit einem Magnetstift wird das feine Pulver gleichmäßig verteilt, ohne dass ein direkter Kontakt mit der Oberfläche entsteht.
Dadurch wird das Risiko minimiert, die empfindliche Spur zu verwischen oder zu zerstören.
Papier ist ein saugender Spurenträger. Die Fingerabdrücke dringen in die Oberfläche ein und werden dort von den Fasern aufgenommen. Das Ninhydrin-Verfahren ist hier das Standardverfahren, das die Aminosäuren im Schweiß sichtbar macht.
Die chemische Reaktion führt zu einer charakteristischen lila-violetten Färbung, die sich im Laufe einiger Stunden bis Tage vollständig entwickelt. Bei stark saugenden Papieren kann auch das Silbernitrat-Verfahren eingesetzt werden, das mit den Salzen im Abdruck reagiert.
Metall ist ebenfalls glatt und nicht-saugend. Hier werden Pulververfahren eingesetzt. Bei stark oxidierten oder unebenen Oberflächen kann auch das Cyanoacrylat-Verfahren (Sekundenkleber) erfolgreich sein.
Die Dämpfe lagern sich an den Rückständen des Fingerabdrucks an und bilden eine weiße, gut sichtbare Schicht. Bei hochglanzpolierten Metalloberflächen wie Edelstahl können auch optische Methoden mit Schräglicht sehr gute Ergebnisse liefern.
Kunststoff eignet sich hervorragend für das Cyanoacrylat-Verfahren, da die Dämpfe hier besonders gut haften. Die glatte, meist nicht-saugende Oberfläche nimmt den Abdruck oberflächlich auf.
Nach der Behandlung mit Cyanoacrylat erscheint der Abdruck als weiße, plastische Spur. Bei durchsichtigen Kunststoffen kann auch die Durchlicht-Methode angewendet werden, bei der die Spur durch das Material hindurch betrachtet wird.
Lackierte Oberflächen verhalten sich ähnlich wie Glas, sind jedoch oft empfindlicher gegenüber mechanischen Einflüssen. Hier wird das vorsichtige Pulververfahren bevorzugt.
Bei empfindlichen oder hochwertigen Lackoberflächen kann auch die Fluoreszenztechnik zum Einsatz kommen, bei der die Spuren mit speziellen Substanzen behandelt werden, die unter bestimmten Lichtwellenlängen aufleuchten.
Hierbei handelt es sich um ein sehr feines Pulver, das an den Fetten und der Feuchtigkeit der Spur haftet. Es wird mit einem speziellen Faserpinsel vorsichtig auf die Oberfläche aufgetragen.
Die feinen Pulverpartikel machen selbst kleinste Strukturen der Papillarlinien sichtbar. Die Auswahl des richtigen Pulvers ist entscheidend: Hellfarbige Pulver eignen sich für dunkle Untergründe, dunkle Pulver für helle Oberflächen.
Für den Transport und die dauerhafte Sicherung werden die sichtbar gemachten Spuren mit speziellen Spurensicherungsfolien oder Gelatinefolien abgenommen.
Wie der Name sagt, wird das Pulver mit einem Magnetstift aufgetragen. Das ist besonders schonend, da kein mechanischer Kontakt (kein Pinsel) besteht und die Spur nicht verwischt wird.
Der Magnetstift zieht das eisenhaltige Pulver an und ermöglicht eine gleichmäßige Verteilung auf der Oberfläche. Überschüssiges Pulver kann einfach mit dem Magnetstift wieder aufgenommen werden, ohne dass die Spur berührt wird. Dadurch ist dieses Verfahren besonders für empfindliche oder poröse Oberflächen geeignet.
Das chemische Standardverfahren für Papier. Ninhydrin reagiert mit den Aminosäuren im Schweiß. Die Spuren verfärben sich dadurch lila-violett und werden sichtbar.
Die Reaktion benötigt Zeit. In der Regel entwickelt sich die Färbung innerhalb von 24 Stunden. Der Prozess kann durch Erwärmung oder erhöhte Luftfeuchtigkeit beschleunigt werden.
Wichtiger Hinweis: Ninhydrin ist giftig, weshalb kleine Kinder es nicht in die Hände bekommen dürfen. Die Anwendung erfolgt ausschließlich durch geschultes Fachpersonal unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften.
In einer geschlossenen Kammer wird Sekundenkleber erhitzt. Die Dämpfe lagern sich an den Rückständen des Fingerabdrucks an und bilden dort eine weiße, gut sichtbare Schicht.
Dieses Verfahren eignet sich besonders für Kunststoffoberflächen und glatte Materialien wie Metall und Glas. Die entstehende weiße Schicht ist dauerhaft und kann mit verschiedenen Techniken wie Auflicht oder Schräglicht besonders gut fotografisch dokumentiert werden.
Die Behandlung ist äußerst sensibel: Bereits kleine Fehler bei der Temperatur oder Dauer können die Spur unbrauchbar machen.
Die Spuren werden mit Substanzen behandelt, die unter bestimmten Lichtwellenlängen (z.B. Blaulicht) von selbst leuchten. Dies ist besonders bei kontrastarmen Spuren hilfreich.
Die fluoreszierenden Stoffe binden sich an die Rückstände des Fingerabdrucks und erzeugen unter dem passenden Licht ein deutliches Leuchten. Dadurch können auch Spuren sichtbar gemacht werden, die mit herkömmlichen Pulververfahren nicht erkennbar wären.
Die Methode kommt bevorzugt bei stark verschmutzten oder strukturierten Oberflächen zum Einsatz.
Spezialisten bringen Fingerabrücke ans Licht.
Manche Spuren, z.B. durch Handcremes oder Speichel, werden direkt unter UV-Licht sichtbar. Auch einige chemische Behandlungen können mit UV-Licht nachgewiesen werden.
Die UV-Bestrahlung regt bestimmte Moleküle in den Rückständen zum Leuchten an. Diese Methode ist besonders schnell und nicht-invasiv, da keine Substanzen aufgetragen werden müssen. Sie wird daher oft als erste Maßnahme bei der Spurensuche eingesetzt, bevor andere Verfahren angewendet werden.
Können Fingerabdrücke Jahre überdauern? Ja, insbesondere auf Papier und in geschützten Umgebungen. Die fettigen Bestandteile sind sehr beständig. Auf Papier können Fingerabdrücke auch viele Jahre später noch nachgewiesen werden.
Zerstört Regen Fingerabdrücke? Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. Wasser wäscht die löslichen Salze aus und verwischt die feinen Strukturen. Eine Auswertung ist dann in vielen Fällen nicht mehr möglich.
Sind alte Fingerabdrücke noch auswertbar? Das hängt von der Lagerung ab. In trockenen, dunklen und staubfreien Umgebungen ist dies möglich. Auf verrostetem Metall oder verfärbtem Papier wird es jedoch schwierig.
Sind Fingerabdrücke einzigartig? Ja, selbst eineiige Zwillinge haben unterschiedliche Fingerabdrücke. Das Muster aller Fingerabdrücke bleibt zudem das ganze Leben unveränderlich. Dies macht sie zu einem der sichersten biometrischen Merkmale.
Wie erfolgt ein Abgleich? Ein Fingerabdruck-Experte vergleicht die gefundene Spur mit Referenzabdrücken. Er sucht nach charakteristischen Merkmalen wie Schleifen, Wirbeln und Bogenlinien, den sogenannten Minutienmerkmalen.
In Deutschland gilt der daktyloskopische Identitätsnachweis als erbracht, wenn im zu vergleichenden Untersuchungsmaterial der allgemeine Papillarlinienverlauf und ausreichend anatomische Merkmale in Form und Lage zueinander übereinstimmen, dass der Sachverständige eine eindeutige Übereinstimmung feststellt.
Reicht ein Teilabdruck? Ja, in vielen Fällen kann bereits ein unvollständiger Abdruck zur Identifizierung führen, wenn er genügend individuelle Merkmale aufweist.
Wie zuverlässig sind Fingerabdrücke als Beweismittel? Bereits früh hat die Rechtsprechung den hohen Beweiswert der Daktyloskopie anerkannt. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Fingerabdrücke als alleiniges Beweismittel vor Gericht Bestand haben.
Im Internet gibt es zahlreiche vermeintliche Tipps zum Sichtbarmachen von Fingerabdrücken mit Hausmitteln oder Talkum. Hiervon ist jedoch dringend abzuraten. Der Fingerabdruck darf nicht mit Pulver, Talkumpuder, Bleistiftgrafit oder Sekundenkleber behandelt werden.
Die groben Partikel von Talkum oder Grafit verkleben die feinen Papillarlinien und machen die Spur für eine professionelle Analyse unbrauchbar. Ein Profi verwendet hingegen ultrafeine Daktyloskopiepulver, die mit sanften Magnetstäben oder Faserpinseln aufgetragen werden.
Durch zu starken Druck oder zu viel Mittel zerstört man die Spur möglicherweise oder macht sie unbrauchbar.
Nach einem Diebstahl von Geld aus einer Bargeldkasse wurden neben den Abdrücken einer berechtigten Person auch fremde Fingerabdrücke gesichert. Der Täter hatte die Kasse beim Entnehmen des Geldes berührt und auch im Innenbereich einen Einlagenbereich angefasst. Die Abdrücke waren mit bloßem Auge nicht erkennbar; es handelte sich um latente Spuren.
Der eingesetzte Daktyloskopie-Experte entschied sich aufgrund der glatten, lackierten Oberfläche für das Magnetpulver-Verfahren. Mit einem Magnetstift wurde das feine Pulver gleichmäßig auf der Fläche verteilt. Die Abdrücke wurden dadurch deutlich sichtbar und konnten mit einer speziellen Folie abgenommen werden.
Im Labor wurde die beiden gesicherten Fingerabdruck digitalisiert und mit den Referenzabdrücken der Angestellten abgeglichen. Dabei wurden zahlreiche übereinstimmende Minutienmerkmale gefunden, die eine Angestellte als Verursacherin belegten.
Der daktyloskopische Identitätsnachweis war damit erbracht. Der Fall konnte aufgeklärt werden, was ohne die fachgerechte Spurensicherung nicht möglich gewesen wäre.
Die Kosten für eine professionelle Fingerabdruckuntersuchung setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen:
Die Kosten für eine professionelle Spurensicherung und -analyse beginnen in der Regel bei etwa 400 Euro und können je nach Aufwand deutlich ansteigen. Für eine verbindliche, persönliche Beratung ist unser Team gerne für Sie da. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Artikel über die Fingerabdruck-Analyse Kosten.
Auf Glas werden in der Regel Pulververfahren mit Magnetpulver angewendet, das mit einem Magnetstift schonend aufgetragen wird.
Ja, das Cyanoacrylat-Verfahren ist eine bewährte Methode, besonders bei Kunststoffen. Die Dämpfe des Sekundenklebers werden in einer Kammer erhitzt und lagern sich an der Spur an.
Fingerabdrücke auf Papier können viele Jahre, unter idealen Bedingungen sogar Jahrzehnte, erhalten bleiben.
Auf glatten Flächen haften die Spuren nur oberflächlich und sind sehr empfindlich gegen Verwischen und mechanische Einflüsse.
Ein latenter Fingerabdruck ist unsichtbar und muss durch chemische oder physikalische Verfahren sichtbar gemacht werden, während ein sichtbarer Abdruck bereits mit bloßem Auge erkennbar ist.
Talkum ist kein geeignetes Mittel zur Sichtbarmachung von Fingerabdrücken. Die groben Partikel verkleben die feinen Strukturen und zerstören die Spur für eine professionelle Analyse.
Von Hausmitteln wie Bleistiftgrafit oder Puder ist dringend abzuraten. Sie sind zu grobkörnig und können die Spur unwiederbringlich zerstören.
Ja. Auf Smartphone-Displays können Fingerabdrücke grundsätzlich nachweisbar sein. Allerdings werden die Spuren durch häufige Benutzung, Wischen und Reinigung schnell verändert oder zerstört. Daher ist eine möglichst schnelle Sicherung wichtig.
Berühren Sie den Gegenstand nicht und verändern Sie nichts an seiner Position. Sichern Sie die Umgebung und kontaktieren Sie umgehend einen Experten für die Spurensicherung. Achten Sie darauf, dass der Gegenstand nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt ist und trocken gelagert ist.
Benötigen Sie Unterstützung bei der Sicherung oder Untersuchung von Fingerabdrücken? Unsere Spezialisten übernehmen die fachgerechte Spurensicherung und analysieren die gefundenen Fingerspuren professionell.
Wir verfügen über langjährige Erfahrung in der Daktyloskopie und setzen modernste Verfahren ein, um selbst schwierige Spuren zu sichern.
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