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Love Scammer erkennen – Warnzeichen, Betrugsmaschen und Identitätsprüfung

Autor
Jochen Meismann
Geschäftsführer der AB-Detective Condor GmbH
Privat- und Wirtschaftsdetektiv seit 1981, Experte für Wirtschafts- und Betrugsermittlungen (inkl. Love Scamming), Mitglied World Association of Detectives
Fachliche Prüfung
Alfons Meismann
Chefdetektiv mit über 50 Jahren Berufserfahrung, Mitglied World Association of Detectives, BuDEG, ABI und ÖDV

Love Scammer erkennen – Das Wichtigste in 30 Sekunden

Wer einem Love Scammer begegnet, merkt das meist nicht sofort. Professionelle Liebesbetrüger bauen zunächst Vertrauen auf, investieren viel Zeit in die Beziehung und erzeugen eine starke emotionale Bindung. Erst später folgen Bitten um Geld oder andere finanzielle Leistungen.

Auf dieser Seite erfahren Sie unter anderem:

  • ✔ welche Warnzeichen besonders typisch sind
  • ✔ welche Geschichten Love Scammer immer wieder erzählen
  • ✔ wie Fotos, Telefonnummern und Identitäten überprüft werden können
  • ✔ welche Fehler Betroffene vermeiden sollten
  • ✔ wie die Detektei Condor weltweit Background Checks durchführt

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Love Scamming?
  2. Warum funktioniert diese Betrugsmasche?
  3. Der typische Ablauf eines Love Scams
  4. 25 Warnzeichen
  5. Typische Ausreden
  6. Typische Berufe
  7. Typische Herkunftsländer
  8. Gestohlene Fotos erkennen
  9. Background Check
  10. Was tun, wenn bereits Geld gezahlt wurde?
  11. Häufige Fragen

Was ist Love Scamming?

Love Scamming bezeichnet eine Form des Internetbetrugs, bei der Täter ihren Opfern eine Liebesbeziehung vortäuschen, um sie später finanziell auszunutzen. Die Kommunikation beginnt in vielen Fällen über Dating-Portale, soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste. Ziel der Täter ist es, innerhalb kurzer Zeit eine möglichst enge emotionale Bindung zum späteren Opfer aufzubauen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Betrugsformen geht es beim Love Scamming nicht um eine spontane Täuschung, sondern um eine langfristig geplante Manipulation. Die Täter investieren oft Wochen oder sogar Monate, bevor sie erstmals um Geld bitten. Gerade deshalb erkennen viele Betroffene den Betrug erst sehr spät, manchmal zu spät.

Wichtig:

Nicht jede Fernbeziehung oder Internetbekanntschaft ist automatisch ein Betrugsversuch. Treffen jedoch mehrere typische Warnzeichen zusammen, sollte der Kontakt sorgfältig überprüft werden.

Warum funktioniert Love Scamming so oft?

Viele Menschen fragen sich im Nachhinein, warum intelligente und vorsichtige Personen auf einen Love Scammer hereinfallen können. Die Antwort liegt keinesfalls in mangelnder Intelligenz, sondern vielmehr in der Vorgehensweise der Täter.

Professionelle Liebesbetrüger arbeiten am Anfang selten mit Druck. Stattdessen schaffen sie zunächst tiefes Vertrauen. Sie hören aufmerksam zu, zeigen Interesse am Alltag ihres Gegenübers und vermitteln das besondere Gefühl, verstanden zu werden. Durch den täglichen Kontakt entsteht Schritt für Schritt eine emotionale Bindung.

Erst wenn dieses Vertrauen tief gefestigt ist, beginnen die eigentlichen Betrugsversuche. Zu diesem Zeitpunkt fällt es vielen Opfern allerdings schon schwer, die Beziehung überhaupt noch objektiv zu beurteilen.

Zeit

Die Täter investieren vielfach Wochen oder Monate in den Kontakt.

Emotionen

Es entsteht eine enge persönliche Bindung, bevor überhaupt Geld verlangt wird.

Vertrauen

Der Täter erscheint hilfsbereit, verständnisvoll und zuverlässig.

Manipulation

Erst nachdem genügend Vertrauen aufgebaut wurde, beginnt die finanzielle Ausnutzung.

Der typische Ablauf eines Love Scams

Nicht jeder Fall beim Liebesbetrug verläuft stets identisch. Dennoch beobachten unsere Experten bei den Ermittlungen immer wieder einen sehr ähnlichen Ablauf.

1. Erstkontakt
Dating-App, Facebook, Instagram oder Messenger.
↓
2. Intensive Kommunikation
Tägliche Nachrichten, Komplimente und Aufmerksamkeit.
↓
3. Liebesbekundungen
Sehr schnelle emotionale Bindung und Zukunftspläne.
↓
4. Erstes Problem
Krankheit, Unfall, eingefrorenes Konto oder Zollprobleme.
↓
5. Geldforderung
Überweisung, Kryptowährung, Geschenkkarten oder Bargeldtransfer.
↓
6. Weitere Forderungen
Es entstehen ständig neue Probleme und neue Zahlungsaufforderungen.

Erfahrung aus unserer Ermittlungsarbeit

In vielen Fällen berichten uns Betroffene, dass sie den ersten Geldforderungen zunächst skeptisch gegenüberstanden. Nachdem jedoch über Wochen oder Monate eine intensive emotionale Beziehung entstanden war, erschien die Unterstützung plötzlich irgendwie selbstverständlich. Genau auf diesen psychologischen Effekt bauen professionelle Love Scammer ihre gesamte Betrugsstrategie auf.

25 Warnzeichen: Woran erkennen Sie einen Love Scammer?

Ein einzelnes ungewöhnliches Detail beweist für sich gesehen noch keinen Betrug. Treffen jedoch mehrere der folgenden Warnzeichen zusammen, sollten Sie die Identität und die erzählte Lebensgeschichte Ihres Chatpartners überprüfen lassen, bevor Sie Geld überweisen, Dokumente senden oder persönliche Zugangsdaten weitergeben.

Die wichtigste Regel

Bittet Sie eine Person, die Sie ausschließlich aus dem Internet kennen, um Geld, Geschenkkarten, Kryptowährungen, Kontozugangsdaten oder die Weiterleitung fremder Zahlungen, sollten Sie den Kontakt sofort kritisch prüfen.

1. Sehr schnelle Liebeserklärung

Der Chatpartner spricht bereits nach wenigen Tagen oder Wochen von Liebe, Schicksal, Seelenverwandtschaft oder einer gemeinsamen Zukunft.

2. Auffallend perfektes Profil

Die Person ist attraktiv, erfolgreich, verständnisvoll, vermögend und scheint genau die Eigenschaften zu besitzen, die Sie sich wünschen.

3. Kontaktaufnahme ohne nachvollziehbaren Anlass

Ein fremder Mensch schreibt Sie unvermittelt über Facebook, Instagram, LinkedIn, TikTok oder eine Datingplattform an.

4. Schneller Wechsel zu einem Messenger

Der Kontakt soll möglichst rasch auf WhatsApp, Telegram, Google Chat oder einen anderen Messenger verlagert werden.

5. Tägliche Nachrichten zu festen Zeiten

Die Person wird innerhalb kurzer Zeit zu einem festen Bestandteil Ihres Alltags und erwartet regelmäßige Rückmeldungen.

6. Ungewöhnlich viele Komplimente

Sie werden früh als außergewöhnlich, einzigartig, wunderschön oder als Antwort auf alle bisherigen Enttäuschungen bezeichnet.

7. Tragische Lebensgeschichte

Eltern, Ehepartner oder enge Angehörige sollen verstorben sein. Diese Erzählungen schaffen Mitgefühl und erklären, warum kaum überprüfbare Familienkontakte bestehen.

8. Kind bei Nanny oder im Internat

Ein angebliches Kind lebt nicht beim Chatpartner, sondern bei einer Betreuungsperson, in einem Internat oder bei entfernten Verwandten.

9. Dauerhafter Aufenthalt im Ausland

Die Person lebt angeblich in Ihrem Land, befindet sich aber aus beruflichen oder familiären Gründen ständig an einem anderen Ort.

10. Kein spontaner Videoanruf möglich

Videochats werden verweigert, verschoben oder mit technischen Problemen, Sicherheitsvorschriften oder schlechter Internetverbindung erklärt.

11. Nur kurze oder auffällige Videoaufnahmen

Statt eines normalen Gesprächs erhalten Sie kurze, undeutliche oder stumme Videos, die keinen echten Austausch ermöglichen.

12. Widersprüche in den Angaben

Alter, Wohnort, Beruf, Zeitzone, Familienverhältnisse oder frühere Lebensstationen verändern sich im Verlauf der Kommunikation.

13. Sprache passt nicht zur behaupteten Identität

Ausdrucksweise, Wortwahl oder Grammatik wirken nicht stimmig für die angebliche Herkunft, Ausbildung oder berufliche Position.

14. Fotos wirken wie aus einem Katalog

Die Bilder sind professionell aufgenommen, zeigen unterschiedliche Lebenssituationen, enthalten aber kaum überprüfbare aktuelle Details.

15. Keine aktuellen Fotos auf Wunsch

Die Person kann kein spontan aufgenommenes Bild mit einer bestimmten Geste, einem aktuellen Datum oder einem vereinbarten Gegenstand senden.

16. Treffen werden wiederholt angekündigt

Flüge, Besuche und gemeinsame Reisen werden konkret geplant, scheitern aber jedes Mal kurz vor dem Termin.

17. Kurz vor dem Treffen tritt eine Krise ein

Am Flughafen, im Krankenhaus, beim Zoll oder während einer Geschäftsreise entsteht plötzlich ein finanzielles Problem.

18. Konto angeblich gesperrt

Obwohl die Person vermögend sein soll, kann sie vorübergehend nicht auf ihr eigenes Geld zugreifen.

19. Zahlung an eine dritte Person

Das Geld soll nicht an den Chatpartner, sondern an einen Agenten, Anwalt, Arzt, Diplomaten, Kurier oder Geschäftspartner gehen.

20. Geschenkkarten oder Kryptowährung

Gefordert werden Steam-, Apple-, Amazon- oder andere Guthabenkarten, Bitcoin oder schwer rückholbare Zahlungsformen.

21. Zeitdruck und Geheimhaltung

Sie sollen sofort handeln und niemandem von der Zahlung oder dem Problem erzählen, weil angeblich Gefahr, Scham oder berufliche Konsequenzen drohen.

22. Abwertung von Angehörigen

Freunde oder Familienmitglieder, die Zweifel äußern, werden als neidisch, misstrauisch oder als Gefahr für die Beziehung dargestellt.

23. Forderung nach Konto oder Zugangsdaten

Sie sollen ein Konto eröffnen, Onlinebanking-Daten übermitteln oder Ihr Konto für Zahlungen anderer Personen bereitstellen.

24. Drohungen oder emotionale Erpressung

Wenn Sie nicht zahlen, droht die Person mit Kontaktabbruch, Selbstverletzung, Veröffentlichung intimer Bilder oder schweren Folgen für Angehörige.

25. Nach jeder Zahlung folgt ein neues Problem

Eine Zahlung beendet die Krise nicht. Es entstehen weitere Gebühren, Steuern, Arztkosten, Zollforderungen oder Reisekosten.

Haben Sie mehrere Warnzeichen festgestellt?

Brechen Sie Zahlungen zunächst ab und sichern Sie sämtliche Nachrichten, Bilder, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Dokumente und Kontodaten. Ein professioneller Background Check klärt auf, ob die behauptete Identität und Lebensgeschichte überhaupt nachvollziehbar sind.

Typische Ausreden und Geldforderungen von Love Scammern

Die Geschichten verändern sich im Detail, folgen aber meist demselben Grundprinzip: Der Chatpartner besitzt angeblich ausreichend Geld, kann jedoch vorübergehend nicht darauf zugreifen. Das Opfer soll lediglich kurzfristig aushelfen. Die Rückzahlung wird fest versprochen, erfolgt aber nie.

Behauptung des Chatpartners Warum die Aussage verdächtig ist
„Mein Konto wurde eingefroren.“ Eine sehr verbreitete Erklärung dafür, warum eine angeblich vermögende Person plötzlich kleinere oder größere Geldbeträge benötigt.
„Ich wurde am Flughafen festgenommen.“ Angebliche Kautionen, Geldstrafen oder Gebühren werden über private Konten und nicht über nachvollziehbare Behördenwege verlangt.
„Der Zoll hält mein Paket zurück.“ Dem Opfer wird eine wertvolle Sendung versprochen. Vor der Zustellung sollen immer neue Gebühren beglichen werden.
„Ich benötige Geld für eine Operation.“ Krankheiten und Unfälle erzeugen Zeitdruck und erschweren eine nüchterne Prüfung der Angaben.
„Mein Kind ist schwer erkrankt.“ Das angebliche Kind wurde zuvor gezielt in die Beziehungsgeschichte eingebaut, um später Mitgefühl auszulösen.
„Ich brauche Geld für den Flug zu dir.“ Nach der Zahlung verhindert ein neues Problem die Reise. Der vereinbarte Besuch findet nicht statt.
„Du musst meinen Urlaubsantrag bezahlen.“ Insbesondere bei angeblichen Soldaten oder internationalen Organisationen werden erfundene Gebühren für Urlaub, Ablösung oder Reisegenehmigungen verlangt.
„Ich möchte dir Gold oder Bargeld schicken.“ Anschließend melden sich angebliche Kuriere, Diplomaten, Zollbeamte oder Anwälte mit Gebührenforderungen.
„Meine Kreditkarte wurde gestohlen.“ Die angebliche Notlage lässt sich meist nicht unabhängig bestätigen und führt direkt zu einer Zahlungsbitte.
„Ein Geschäftspartner überweist dir Geld.“ Das Opfer soll fremde Gelder weiterleiten und kann dadurch unwissentlich als Finanzagent in Geldwäsche oder Betrug einbezogen werden.

Warum die erste Zahlung nie die letzte bleibt

Der Täter testet mit der ersten Geldforderung, ob das Opfer generell bereit ist, finanzielle Hilfe zu leisten. Zahlt das Opfer einmal, erhöht sich nach und nach der Druck. Nach einer angeblich kleinen Übergangshilfe treten stets weitere Probleme auf, die jeweils nur durch eine zusätzliche Zahlung gelöst werden können.

In Ermittlungsfällen sehen wir unter anderem folgende Eskalationen:

  • zusätzliche Zoll- oder Lagergebühren
  • angebliche Steuern auf eine Erbschaft oder Auszahlung
  • Kautionen und Anwaltskosten
  • Krankenhaus- und Operationskosten
  • Gebühren für Zertifikate, Versicherungen oder Freigaben
  • Kosten für Flugumbuchungen und Visa
  • Forderungen nach Kryptowährungen oder Geschenkkarten
  • Aufforderung zur Aufnahme eines Kredits
  • Verkauf von Fahrzeugen, Schmuck oder Immobilien

Bereits gezahlt?

Leisten Sie keine weitere Zahlung, auch wenn Ihnen versprochen wird, dadurch das bereits überwiesene Geld zurückzuerhalten. Setzen Sie sich sofort mit Ihrer Bank oder dem verwendeten Zahlungsdienst in Verbindung und sichern Sie alle Belege.

Typische Berufslegenden beim Love Scamming

Love Scammer wählen Berufe, die Wohlstand, gesellschaftliches Ansehen und längere Auslandsaufenthalte erklären. Gleichzeitig sollen diese Tätigkeiten begründen, warum ein persönliches Treffen, ein normaler Videochat oder der Zugriff auf das eigene Konto nicht möglich ist.

Soldat oder Offizier

Angeblich im Auslandseinsatz, auf einer Militärbasis oder in einer geheimen Mission. Später werden Gebühren für Urlaub, Ablösung oder Transport verlangt.

Arzt oder Chirurg

Arbeitet angeblich für eine Hilfsorganisation, die Vereinten Nationen oder ein Krankenhaus in einem Krisengebiet.

Ingenieur auf einer Ölplattform

Die Abgeschiedenheit erklärt fehlende Treffen, schlechten Empfang und ungewöhnliche Arbeitszeiten.

Pilot oder Kapitän

Ständige Reisen und wechselnde Aufenthaltsorte sollen die mangelnde Erreichbarkeit plausibel machen.

Unternehmer oder Investor

Erzählt von großen Projekten und Vermögen, benötigt aber plötzlich Geld für Verträge, Steuern oder einen blockierten Geschäftsabschluss.

Mitarbeiter einer internationalen Organisation

Behauptet, für die UNO, eine Hilfsorganisation oder eine diplomatische Einrichtung tätig zu sein.

Bauunternehmer im Ausland

Ein angeblicher Auftrag verzögert sich. Maschinen, Löhne oder Zollkosten sollen kurzfristig finanziert werden.

Gold- oder Edelsteinhändler

Verspricht hohe Vermögenswerte, benötigt aber Gebühren für Ausfuhr, Zertifikate oder Transport.

Keiner dieser angegebenen Berufe beweist für sich alleine einen Betrug. Verdächtig ist die Geschichte dann, wenn der Beruf ausschließlich dazu dient, fehlende Treffen, widersprüchliche Angaben und wiederkehrende Geldforderungen zu erklären.

Behauptete Aufenthaltsorte und tatsächliche Täterstandorte

Aus dem angeblichen Wohnort eines Chatpartners lässt sich nicht zuverlässig auf den tatsächlichen Standort des Täters schließen. Eine deutsche, britische, amerikanische oder schweizerische Telefonnummer kann über das Internet genutzt oder technisch weitergeleitet werden. Auch Ausweise, Firmenunterlagen, Flugtickets und Hotelbuchungen lassen sich fälschen.

In der Kommunikation nennen Scammer gerne Länder und Orte, die zu ihrer Legende passen:

  • USA oder Großbritannien bei angeblichen Soldaten, Ärzten und Unternehmern
  • Syrien, Irak, Jemen oder Afghanistan bei erfundenen Auslandseinsätzen
  • Golfstaaten bei Bau-, Öl- und Handelsgeschäften
  • Westafrika bei Gold-, Erbschafts- oder Hilfsprojekten
  • Türkei, Russland oder Osteuropa bei Fernbeziehungen und Reisegeschichten
  • Malaysia oder andere asiatische Staaten bei angeblichen Geschäftsreisen

Entscheidend ist nicht die behauptete Nationalität

Love Scamming wird sowohl von Einzeltätern als auch von organisierten Gruppen in unterschiedlichen Ländern betrieben. Eine seriöse Überprüfung einer Person bewertet deshalb konkrete Daten wie Identität, Telefonnummer, Anschrift, Arbeitgeber, Dokumente und Zahlungswege und weniger die Herkunft einer Person.

Warum Telefonnummern und Ausweise täuschen können

Eine internationale Vorwahl beweist auf keinen Fall, dass sich der Nutzer in dem entsprechenden Land aufhält. Virtuelle Rufnummern, Roaming, Messenger-Dienste und weitergeleitete Telefonanschlüsse ermöglichen eine Nutzung aus einem anderen Staat.

Auch ein zugesandter Ausweis bestätigt nicht automatisch die Identität einer Person. Love Scammer verwenden unter anderem:

  • gestohlene Ausweiskopien realer Personen
  • digital veränderte Dokumente
  • vollständig erfundene Ausweise
  • Dokumente mit widersprüchlichen Namen und Geburtsdaten
  • Ausweise, deren Foto nicht zur Person im Videochat gehört

Eine Identitätsprüfung muss deshalb mehrere voneinander unabhängige Merkmale miteinander abgleichen.

Gestohlene Fotos und KI-Bilder erkennen

Profilfotos gehören zu den wichtigsten „Arbeitsmitteln“ professioneller Love Scammer. Sie sollen Vertrauen schaffen, Sympathie wecken und den Eindruck vermitteln, mit einer erfolgreichen, attraktiven und glaubwürdigen Person zu kommunizieren. Tatsächlich stammen die verwendeten Bilder jedoch in den meisten Fällen entweder von unbeteiligten Personen oder werden inzwischen sogar vollständig mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Im Rahmen unserer Ermittlungen überprüfen unsere Spezialisten deshalb regelmäßig die Herkunft von Fotos, vergleichen Bildserien miteinander und analysieren, ob sich Widersprüche oder Hinweise auf eine Manipulation erkennen lassen.

Ein einzelnes Foto beweist nichts.

Erst die Kombination aus Bildern, Profilangaben, Dokumenten, Telefonnummern und weiteren Informationen ermöglicht eine zuverlässige Einschätzung der behaupteten Identität.

Woher stammen die Fotos?

Love Scammer verwenden Bilder aus ganz unterschiedlichen Quellen. Regelmäßig finden wir als Herkunft:

Social Media
Bilder realer Personen von Facebook, Instagram oder LinkedIn.
Model- und Fotografenseiten
Professionelle Portraitfotos mit hoher Bildqualität.
Pressefotos
Fotos von Soldaten, Ärzten, Unternehmern oder anderen öffentlichen Personen.
KI-generierte Bilder
Gesichter, die nie existiert haben und ausschließlich künstlich erzeugt wurden.

Warnzeichen bei Profilbildern

  • Das Foto wirkt außergewöhnlich professionell.
  • Alle Bilder zeigen dieselbe Person, aber nie Freunde oder Familie.
  • Es existieren kaum aktuelle Alltagsaufnahmen.
  • Die Fotos passen nicht zur erzählten Lebensgeschichte.
  • Die Person sendet keine spontanen Bilder auf Wunsch.
  • Auf mehreren Bildern wirken Alter oder Frisur unterschiedlich.
  • Die Bildqualität schwankt auffällig.

Wie hilfreich ist eine Bilderrückwärtssuche?

Viele Betroffene versuchen zunächst selbst, die Fotos ihres Chatpartners mit einer Bilderrückwärtssuche zu überprüfen. Das kann sinnvoll sein, führt jedoch nicht immer zum Erfolg.

Findet eine Suchmaschine das Bild auf zahlreichen fremden Webseiten oder unter einem anderen Namen, spricht vieles dafür, dass die Identität erfunden wurde. Umgekehrt bedeutet ein negatives Suchergebnis jedoch keineswegs, dass die Person echt ist.

Keine Treffer bedeuten nicht automatisch Echtheit.

Viele Täter verwenden neue Bilder, verändern Fotos leicht oder setzen inzwischen vollständig KI-generierte Gesichter ein. Diese erscheinen in klassischen Bildersuchen häufig überhaupt nicht.

Videochat – ein gutes Zeichen oder ebenfalls manipulierbar?

Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Videochat den Betrug ausschließt. Ganz so einfach ist es leider nicht.

Zwar lehnen zahlreiche Love Scammer Videoanrufe vollständig ab, inzwischen beobachten wir jedoch zunehmend Fälle, in denen kurze Videotelefonate geführt werden. Dabei handelt es sich teilweise um reale Personen, die selbst nicht an dem Betrug beteiligt sind, oder um technisch manipulierte Aufnahmen.

Ein Videochat sollte deshalb immer gemeinsam mit den übrigen Informationen bewertet werden.

Spricht für Echtheit

  • spontaner Videoanruf
  • freie Unterhaltung
  • individuelle Fragen werden beantwortet
  • aktuelle Gesten werden ausgeführt

Bleibt verdächtig

  • Video wird ständig verschoben
  • Kamera bleibt ausgeschaltet
  • nur wenige Sekunden Bild
  • schlechte Qualität trotz guter Verbindung
  • keine spontanen Reaktionen

Telefonnummern richtig bewerten

Viele Betroffene verlassen sich auf die internationale Vorwahl ihres Chatpartners. Diese bietet jedoch kaum Rückschlüsse auf den tatsächlichen Aufenthaltsort.

Heute lassen sich Rufnummern aus vielen Ländern weltweit nutzen. Hinzu kommen Messenger-Dienste, virtuelle Telefonnummern sowie technische Weiterleitungen.

Bei einem professionellen Background Check beschränken wir uns daher nicht auf die Vorwahl. Je nach Einzelfall werden unter anderem Telefonnummern, Messenger-Accounts, E-Mail-Adressen, Firmenangaben, Dokumente und öffentlich zugängliche Quellen miteinander abgeglichen.

Unsere Empfehlung

Bewerten Sie niemals nur einzelne Informationen wie Fotos, Telefonnummern oder Ausweise. Erst das Gesamtbild aller Faktoren zeigt, ob die behauptete Identität plausibel erscheint oder erhebliche Widersprüche bestehen.

Welche Messenger nutzen Love Scammer besonders häufig?

Der erste Kontakt entsteht in vielen Fällen über soziale Netzwerke oder Dating-Portale. Bereits nach kurzer Zeit versuchen viele Täter jedoch, die Kommunikation auf einen Messenger zu verlagern. Dort lassen sich Nachrichten einfacher löschen, neue Profile anlegen und Plattformregeln umgehen.

Plattform Typische Nutzung
WhatsApp Sehr häufig nach dem ersten Kennenlernen.
Telegram Beliebt wegen einfacher Kontoerstellung.
Google Chat Kommt regelmäßig in internationalen Fällen vor.
Signal Teilweise genutzt, insgesamt seltener.
Facebook Messenger / Instagram Oft Ausgangspunkt des ersten Kontakts.

Die erste Geldforderung verändert alles

Der entscheidende Wendepunkt eines Love-Scam-Falls ist fast immer die erste Bitte um finanzielle Unterstützung. Bis zu diesem Zeitpunkt investieren die Täter in sehr vielen Fällen einen erheblichen Aufwand, um Vertrauen aufzubauen. Erst danach beginnt die eigentliche Betrugsphase.

Ganz gleich, ob es um 100 Euro, mehrere Tausend Euro oder Kryptowährungen geht: jede Zahlung signalisiert dem Täter, dass weitere Forderungen Aussicht auf Erfolg haben könnten.

Merksatz

Entscheidend ist weniger die Höhe der ersten Zahlung. Ausschlaggebend ist, dass überhaupt eine Zahlung geleistet wird.. Genau darauf bauen professionelle Love Scammer ihre weitere Vorgehensweise auf.

Wie wir einen Love Scammer überprüfen

Ob eine Internetbekanntschaft echt ist, lässt sich selten anhand eines einzigen Merkmals feststellen. Ein professioneller Background Check verbindet deshalb mehrere Prüfbereiche miteinander. Die Aufgabe unserer Detektei ist es dann, die behauptete Identität, den Wohnort, den Beruf und die erzählte Lebensgeschichte auf Widersprüche zu untersuchen.

Dabei geht es weniger darum, möglichst viele persönliche Informationen über einen Menschen zu sammeln. Geprüft werden gezielt diejenigen Angaben, die erforderlich sind, um die entscheidende Frage zu beantworten: Existiert die beschriebene Person tatsächlich und stimmen ihre wesentlichen Angaben?

Identität

Abgleich von Namen, Alter, Geburtsdaten, Nationalität und weiteren persönlichen Angaben.

Fotos

Prüfung auf fremde Bildquellen, abweichende Namen, manipulierte Aufnahmen oder künstlich erzeugte Gesichter.

Telefonnummern

Einordnung von Vorwahl, Nutzungsspuren, Messenger-Bezügen und möglichen Widersprüchen zum behaupteten Standort.

Anschrift

Prüfung, ob die genannte Adresse existiert und nachvollziehbar mit der Person verbunden werden kann.

Beruf und Arbeitgeber

Abgleich von Firmen, Funktionen, beruflichen Stationen und behaupteten Auslandseinsätzen.

Dokumente

Plausibilitätsprüfung von Ausweisen, Verträgen, Bankbriefen, Flugunterlagen und angeblichen Behördenbescheiden.

Unternehmensbezüge

Recherche zu angeblichen Firmen, Beteiligungen, Geschäftsadressen und verantwortlichen Personen.

Gesamtgeschichte

Vergleich der einzelnen Angaben auf zeitliche, geografische und sachliche Widersprüche.

Welche Informationen benötigen wir für die Prüfung?

Je mehr Ausgangsdaten zu einer zu überprüfenden Person vorliegen, desto genauer lässt sich der Fall untersuchen. Hilfreich sind insbesondere:

  • vollständiger angeblicher Name
  • Geburtsdatum oder ungefähres Alter
  • Nationalität und behaupteter Wohnort
  • Telefonnummern und E-Mail-Adressen
  • Fotos und Videos
  • Profile in sozialen Netzwerken oder Datingportalen
  • Angaben zu Arbeitgeber, Beruf und Unternehmen
  • zugesandte Ausweise, Verträge oder Bankunterlagen
  • Kontodaten und Namen von Zahlungsempfängern
  • der bisherige Chatverlauf oder eine Zusammenfassung der Geschichte

Auch widersprüchliche oder unvollständige Angaben helfen manchmal

Lassen Sie Informationen nicht weg, nur weil Sie deren Richtigkeit bezweifeln. Gerade unterschiedliche Schreibweisen, wechselnde Anschriften oder abweichende Berufsangaben können für die Bewertung besonders wichtig sein.

Was ein Background Check leisten kann – und was nicht

Über einen Background Check stellen unsere Ermittler fest, ob wesentliche Teile der erzählten Identität nachvollziehbar sind. Er kann beispielsweise ergeben, dass eine genannte Person tatsächlich existiert, die verwendeten Fotos jedoch zu jemand anderem gehören. Ebenso kann sich zeigen, dass eine Firma nicht existiert, eine Anschrift nicht zum Chatpartner passt oder Dokumente erhebliche Unstimmigkeiten aufweisen.

Eine seriöse Detektivarbeit verspricht jedoch nicht, in jedem Fall den tatsächlichen Täter mit vollständigem Namen und Wohnanschrift festzustellen. Professionelle Betrüger verwenden fremde Identitäten, anonyme Kommunikationswege, vorgeschaltete Zahlungsempfänger und internationale Täterstrukturen.

Mögliche Feststellung Bedeutung für den Fall
Fotos gehören zu einer anderen Person Die verwendete Identität ist zumindest teilweise erfunden.
Firma existiert nicht Die behauptete berufliche oder geschäftliche Geschichte ist nicht nachvollziehbar.
Anschrift passt nicht zur Person Wohnort und Lebensgeschichte müssen kritisch hinterfragt werden.
Dokument enthält Widersprüche Ausweis, Bankbrief oder Vertrag ist möglicherweise manipuliert oder vollständig erfunden.
Reale Person, aber falsche Rolle Der Täter verwendet Daten einer realen Person, ohne selbst diese Person zu sein.
Wesentliche Angaben sind plausibel Die Prüfung liefert keine eindeutigen Betrugshinweise; einzelne Risiken können dennoch bestehen bleiben.

Anonymisierte Beispiele aus der Ermittlungsarbeit

Love-Scamming-Fälle unterscheiden sich in Namen, Ländern und Dokumenten. Die zugrunde liegenden Muster ähneln sich jedoch immer wieder. Die folgenden Beispiele sind anonymisiert und zusammengefasst.

Der angebliche Ingenieur

Ein Mann gab an, als Ingenieur auf einer ausländischen Baustelle tätig zu sein. Wegen eines blockierten Geschäftskontos benötigte er angeblich Geld für Löhne und Maschinen.

Ergebnis: Das genannte Unternehmen war nicht in der behaupteten Form tätig. Die Fotos gehörten zu einer unbeteiligten Person.

Der angebliche Militärarzt

Der Chatpartner behauptete, im Auftrag einer internationalen Organisation in einem Krisengebiet zu arbeiten. Für Urlaub und Reise sollten Gebühren an einen angeblichen Vorgesetzten gezahlt werden.

Ergebnis: Die verwendeten Unterlagen enthielten sprachliche und formale Widersprüche. Für die verlangten Gebühren gab es keinen nachvollziehbaren offiziellen Vorgang.

Die angebliche Erbschaft

Nach einer längeren Liebesbeziehung sollte ein großes Vermögen freigegeben werden. Dafür verlangten angebliche Anwälte, Notare und Banken immer neue Vorauszahlungen.

Ergebnis: Namen, Dokumente, Konten und behauptete Institutionen passten nicht schlüssig zusammen. Die Zahlungswege führten zu unabhängigen Dritten.

Die angebliche Reise nach Deutschland

Eine Frau kündigte mehrfach einen Besuch an. Kurz vor dem Flug entstanden Probleme mit Visum, Flugticket und Krankenversicherung.

Ergebnis: Die zugesandten Reisedokumente waren nicht plausibel. Nach jeder Zahlung wurde ein neuer Grund für die ausbleibende Reise genannt.

Neuere Varianten des Love Scammings

Die klassische Geldforderung wegen Krankheit, Flugkosten oder eines gesperrten Kontos existiert weiterhin. Daneben begegnen uns zunehmend komplexere Geschichten, die mehrere Betrugsarten miteinander verbinden.

Erbschafts- und Notarbetrug

Der angebliche Partner soll ein großes Vermögen geerbt haben. Ein Notar, Rechtsanwalt oder Bankmitarbeiter verlangt Gebühren für Steuern, Zertifikate, Beglaubigungen oder die Freigabe des Geldes. Die genannten Personen gehören meist zum Täterkreis oder existieren überhaupt nicht.

Mehr zu dieser Betrugsform lesen Sie in unserem Ratgeber zum Trickbetrug Erbschaft.

Kryptowährungen und angebliche Investitionen

Der Chatpartner schlägt eine gemeinsame oder gewinnbringende Anlage in Kryptowährungen, Gold, Aktien oder Devisen vor. Anfangs werden auf einer Plattform vermeintliche Gewinne angezeigt. Auszahlungen sind später nur gegen weitere Gebühren möglich.

Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Tinder Trading Scam.

Gefälschte Bank- und Behördenunterlagen

Um die Geschichte glaubwürdig erscheinen zu lassen, erhalten Betroffene professionell wirkende Schreiben von Banken, Gerichten, Zollbehörden, Kliniken oder Ministerien. Logos und Namen realer Institutionen werden kopiert, während Kontaktdaten und Zahlungsanweisungen zu den Tätern führen.

Pakete mit Gold, Bargeld oder Dokumenten

Der Betrüger kündigt eine wertvolle Sendung an. Kurz darauf meldet sich ein angeblicher Kurierdienst und verlangt Versicherungs-, Lager-, Zoll- oder Freigabegebühren. Das Paket existiert nicht.

Konten und Finanzagenten

Manche Opfer sollen Zahlungen anderer Personen entgegennehmen und weiterleiten. Dadurch werden sie möglicherweise Teil einer Geldwäsche- oder Betrugsstruktur. Die Täter behaupten, ihr eigenes Konto sei gesperrt oder internationale Zahlungen seien vorübergehend nicht möglich.

Niemals fremde Gelder weiterleiten

Stellen Sie Ihr Konto nicht für Zahlungen Dritter zur Verfügung und geben Sie Ihre Zugangsdaten nicht weiter. Wenn bereits fremde Gelder über Ihr Konto geleitet wurden, sollten Sie unverzüglich Ihre Bank und eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt kontaktieren.

Wann ist eine Überprüfung besonders sinnvoll?

Ein Background Check sollte idealerweise erfolgen, bevor überhaupt Geld überwiesen, ein Kredit aufgenommen oder ein Konto zur Verfügung gestellt wird. Ein solcher Auftrag ist besonders dringlich, wenn mehrere dieser Situationen vorliegen:

  • Der Kontakt besteht ausschließlich online.
  • Ein persönliches Treffen hat nie stattgefunden.
  • Videoanrufe sind nur eingeschränkt möglich.
  • Die Person befindet sich ständig im Ausland.
  • Es wurden bereits Geldforderungen gestellt.
  • Fotos, Dokumente oder Lebensgeschichte wirken widersprüchlich.
  • Sie sollen niemandem von der Beziehung erzählen.
  • Eine angebliche Bank, Behörde oder Kanzlei fordert Zahlungen.
  • Sie werden zu einer Investition oder Kontoeröffnung gedrängt.
  • Familie und Freunde äußern ernsthafte Zweifel.

Ist Ihr Chatpartner echt oder handelt es sich um Love Scamming?

Unsere Detektive überprüfen Identität, Fotos, Telefonnummern, Anschriften, Unternehmen, Dokumente und weitere Angaben, um einen größeren finanziellen Schaden zu verhindern..

0800 11 12 13 14

Anrufer aus dem Ausland: +49 2369 20 300

Was tun, wenn Sie bereits Geld an einen Love Scammer gezahlt haben?

Wenn Sie Geld überwiesen haben und inzwischen einen Betrug befürchten, zählt vor allem eines: Handeln Sie schnell und leisten Sie keine weitere Zahlung. Scham oder die Hoffnung, durch eine letzte Überweisung das bereits verlorene Geld zurückzuerhalten, führen am Ende zu noch größeren Schäden.

Wichtig: Brechen Sie die Zahlungskette sofort ab

Auch wenn der Täter behauptet, nur noch eine letzte Gebühr, Steuer oder Freigabezahlung sei notwendig: Überweisen Sie nichts mehr. In echten Love-Scamming-Fällen ist die angeblich letzte Zahlung fast nie die letzte.

1. Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank oder den Zahlungsdienst

Informieren Sie Ihre Bank möglichst noch am selben Tag über den Betrugsverdacht. Je nach Zahlungsart kann geprüft werden, ob eine Überweisung gestoppt, zurückgerufen oder ein Empfängerkonto gemeldet werden kann.

Halten Sie dafür möglichst folgende Angaben bereit:

  • Datum und Höhe der Zahlung
  • IBAN, Kontonummer oder Wallet-Adresse
  • Name des Zahlungsempfängers
  • Verwendungszweck
  • Transaktions- oder Belegnummer
  • Kommunikation, in der die Zahlung verlangt wurde

Bei Geschenkkarten sollten Sie den jeweiligen Anbieter kontaktieren, wenngleich Ihnen das Ihr Geld nicht zurückbringt. Geben Sie die Kartennummern nicht weiter, sofern sie noch nicht eingelöst wurden. Bei Kryptowährungen lassen sich Transaktionen in der Regel nicht einfach zurückholen, dennoch sollten Sie Wallet-Adressen und Transaktionsdaten vollständig sichern.

2. Sichern Sie sämtliche Beweise

Löschen Sie keine Chats, E-Mails, Profile oder Dokumente. Auch scheinbar unwichtige Details können später für Ermittlungen, Strafanzeige oder eine rechtliche Bewertung entscheidend sein.

Diese Unterlagen sollten Sie sichern

  • vollständige Chatverläufe
  • E-Mails einschließlich Absenderdaten
  • Profilnamen und Profil-URLs
  • Telefonnummern und Messenger-Konten
  • Fotos, Videos und Sprachnachrichten
  • Ausweise, Verträge, Bankbriefe und angebliche Behördenschreiben
  • Überweisungsbelege und Zahlungsaufforderungen
  • Wallet-Adressen und Krypto-Transaktionsnummern
  • Notizen zu Telefonaten und zeitlichem Ablauf

Fertigen Sie nach Möglichkeit zusätzlich eine chronologische Zusammenfassung des Geschehens an. Schreiben Sie auf, wann der Kontakt begann, welche Geschichte erzählt wurde, wann erstmals Geld verlangt wurde und welche Zahlungen erfolgten.

3. Erstatten Sie Strafanzeige

Fakt ist: Love Scamming ist Betrug. In Deutschland kommt insbesondere eine Strafbarkeit nach § 263 StGB in Betracht. Eine Anzeige kann bei jeder Polizeidienststelle oder über die jeweiligen Onlinewachen der Bundesländer erstattet werden.

Nehmen Sie zur Anzeige möglichst alle gesicherten Unterlagen mit. Auch wenn Täter und Zahlungsempfänger im Ausland sitzen, sollte der Sachverhalt dokumentiert werden. Konten, Telefonnummern oder Empfänger können bereits aus anderen Verfahren bekannt sein.

Besonders wichtig bei weitergeleiteten Geldern

Wenn fremde Zahlungen über Ihr Konto eingegangen und von Ihnen weitergeleitet worden sind, sollten Sie unverzüglich rechtlichen Rat einholen. Es besteht das Risiko, dass Ihr Konto als Finanzagentenkonto genutzt wurde und Sie selbst in den Fokus strafrechtlicher Ermittlungen geraten.

4. Beenden Sie den Kontakt

Diskutieren Sie nicht weiter mit dem Täter und kündigen Sie keine Ermittlungen an. Jede zusätzliche Nachricht gibt dem Betrüger Gelegenheit, neue Erklärungen zu erfinden, Druck auszuüben oder Beweise zu löschen.

Blockieren Sie die verwendeten Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Profile. Ändern Sie Passwörter, wenn Sie persönliche Zugangsdaten, Ausweiskopien oder sensible Informationen weitergegeben haben.

5. Informieren Sie Ihr persönliches Umfeld

Love Scammer versuchen regelmäßig, ihre Opfer von Familie und Freunden zu isolieren. Gerade deshalb ist es sinnvoll, eine vertraute Person einzubeziehen. Eine außenstehende Person erkennt Widersprüche meist leichter und kann helfen, weitere Zahlungen zu verhindern.

6. Rechnen Sie mit Folgebetrug

Nach einem Love Scam endet die Gefahr nicht immer mit dem Kontaktabbruch. Betroffene werden später gelegentlich erneut angesprochen, diesmal von angeblichen Anwälten, Ermittlern, Behörden, Rückholservices oder Hackern, die versprechen, das verlorene Geld gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen.

Recovery Scam erkennen

Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Ihnen jemand ohne nachvollziehbare Grundlage verspricht, verlorenes Geld sicher zurückzuholen. Seriöse Ermittler und Rechtsanwälte geben keine Erfolgsgarantie und verlangen keine angeblichen Freigabegebühren an unbekannte Dritte.

Checkliste: Bin ich möglicherweise Opfer von Love Scamming?

Je mehr Fragen Sie mit „Ja“ beantworten, desto dringender sollten Sie die Identität Ihres Chatpartners überprüfen lassen.

  • ☐ Der Kontakt entstand ausschließlich über das Internet.
  • ☐ Ein persönliches Treffen hat noch nie stattgefunden.
  • ☐ Liebeserklärungen kamen ungewöhnlich früh.
  • ☐ Die Person lebt oder arbeitet ständig im Ausland.
  • ☐ Videochats werden vermieden oder sind auffällig kurz.
  • ☐ Fotos wirken professionell oder nicht aktuell.
  • ☐ Es gibt Widersprüche bei Alter, Beruf, Wohnort oder Familie.
  • ☐ Treffen oder Reisen scheitern immer kurzfristig.
  • ☐ Ein Konto soll gesperrt oder nicht erreichbar sein.
  • ☐ Geld soll an Dritte überwiesen werden.
  • ☐ Geschenkkarten oder Kryptowährungen werden verlangt.
  • ☐ Sie sollen Zahlungen für Zoll, Arzt, Reise oder Kaution leisten.
  • ☐ Sie werden gebeten, ein Konto zu eröffnen.
  • ☐ Sie sollen fremdes Geld empfangen und weiterleiten.
  • ☐ Der Kontakt soll vor Familie und Freunden geheim bleiben.
  • ☐ Zweifel werden mit Vorwürfen oder Liebesentzug beantwortet.
  • ☐ Nach jeder Zahlung entsteht ein neues Problem.
  • ☐ Sie fühlen sich emotional unter Druck gesetzt.

So schützen Sie sich vor Love Scamming

Der beste Schutz besteht darin, eine Onlinebekanntschaft nicht nur nach Gefühl, sondern auch anhand überprüfbarer Tatsachen zu beurteilen. Vertrauen darf wachsen, sollte aber nicht durch Geldforderungen erzwungen werden.

Keine Zahlungen an Bekannte aus dem Internet 

Überweisen Sie kein Geld an Menschen, die Sie nie persönlich getroffen und eindeutig identifiziert haben.

Spontanen Videochat verlangen

Ein echtes Gespräch mit spontanen Fragen ist aussagekräftiger als vorbereitete Bilder oder kurze Clips.

Angaben unabhängig prüfen

Verlassen Sie sich nicht auf Dokumente oder Links, die ausschließlich vom Chatpartner stammen.

Mit Angehörigen sprechen

Eine neutrale Einschätzung schützt davor, Warnzeichen aufgrund emotionaler Bindung zu übersehen.

Keine intimen Inhalte versenden

Nacktbilder und private Videos können später für Erpressungsversuche missbraucht werden.

Frühzeitig prüfen lassen

Eine Überprüfung vor der ersten Zahlung ist meist einfacher und günstiger als Ermittlungen nach einem hohen Schaden.

Häufige Fragen zum Erkennen von Love Scammern

Woran erkennt man einen Love Scammer am schnellsten?

Besonders auffällig sind sehr schnelle Liebeserklärungen, fehlende persönliche Treffen, immer neue Ausreden und die erste Bitte um Geld. Ein einzelnes Merkmal beweist noch keinen Betrug, mehrere Warnzeichen zusammen sollten jedoch ernst genommen werden.

Fragen Love Scammer immer nach Geld?

Die finanzielle Ausnutzung ist das eigentliche Ziel. Manche Täter verlangen direkt Geld, andere bitten zunächst um Geschenkkarten, Kontonutzung, Kryptowährungen oder die Weiterleitung fremder Zahlungen.

Kann ein Love Scammer einen Videochat führen?

Ja. Kurze oder technisch manipulierte Videoaufnahmen schließen einen Betrug nicht aus. Aussagekräftiger ist ein spontanes, längeres Gespräch mit individuellen Fragen und unmittelbaren Reaktionen.

Sind alle Soldaten, Ärzte oder Ingenieure im Internet verdächtig?

Nein. Diese Berufe werden jedoch besonders oft als Legende verwendet, weil sie Auslandseinsätze, fehlende Treffen und angebliche finanzielle Notlagen erklären sollen.

Beweist eine ausländische Telefonnummer den Aufenthaltsort?

Nein. Virtuelle Rufnummern, Messenger-Dienste und technische Weiterleitungen ermöglichen die Nutzung einer Nummer aus einem völlig anderen Land.

Kann ein Ausweis gefälscht sein?

Ja. Täter verwenden gestohlene Ausweiskopien, digital veränderte Dokumente oder vollständig erfundene Ausweise. Ein zugesandtes Dokument sollte nie als alleiniger Identitätsnachweis betrachtet werden.

Was bedeutet es, wenn die Bilderrückwärtssuche keinen Treffer zeigt?

Ein negatives Ergebnis beweist keine Echtheit. Fotos können verändert, neu veröffentlicht oder vollständig mit künstlicher Intelligenz erzeugt worden sein.

Kann ein Love Scammer eine reale Person sein?

Ja. Manche Täter verwenden ihre eigene Person, aber falsche Angaben zu Beruf, Vermögen, Familienstand oder Absichten. Andere nutzen vollständig gestohlene Identitäten.

Wie lange bauen Love Scammer Vertrauen auf?

Das kann wenige Wochen oder mehrere Monate dauern. Je höher der erwartete Gewinn, desto länger investieren Täter teilweise in die emotionale Bindung.

Soll ich den Täter mit meinen Zweifeln konfrontieren?

Vor einer Prüfung ist das meist nicht sinnvoll. Der Täter kann seine Geschichte anpassen, Profile löschen oder Beweise beseitigen. Sichern Sie zunächst alle Daten.

Kann eine Detektei den echten Täter finden?

Das ist nicht in jedem Fall möglich. Häufig lässt sich jedoch feststellen, dass die verwendete Identität falsch ist, welche Angaben nicht stimmen und welche Zahlungs- oder Kommunikationsspuren vorliegen.

Welche Angaben braucht die Detektei für einen Background Check?

Hilfreich sind Name, Nationalität, Alter, Fotos, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Profile, Anschriften, Arbeitgeber, Dokumente und eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Geschichte.

Was soll ich tun, wenn ich bereits bezahlt habe?

Leisten Sie keine weitere Zahlung, informieren Sie unverzüglich Ihre Bank, sichern Sie alle Beweise und erstatten Sie Strafanzeige.

Kann verlorenes Geld zurückgeholt werden?

Das hängt von Zahlungsart, Zeitpunkt, Empfängerkonto und weiteren Umständen ab. Eine Garantie ist nicht möglich. Je schneller Bank und Behörden informiert werden, desto besser sind die Möglichkeiten einer Prüfung.

Sie möchten Ihren Chatpartner überprüfen lassen?

Schildern Sie uns vertraulich, welche Angaben, Bilder, Telefonnummern und Dokumente vorliegen. Wir prüfen, welche Recherchen in Ihrem Fall sinnvoll sind.

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